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Westliche Doppelmoral: Tiger-Tourismus in Thailand

Insider & Meinung 24. August 2019 6 Min. Lesezeit Zuletzt geprüft: 18. September 2026
Symbolbild zum Kommentar über Tiger-Tourismus und westliche Doppelmoral

Dieser Kommentar entstand ursprünglich 2019, nachdem in einem thailändischen Tierpark ein Kind bei einem Familienausflug von einem Leoparden verletzt worden war – ein Vorfall, der damals eine hitzige Debatte in den sozialen Medien auslöste. Wir nehmen das zum Anlass, das Thema Raubkatzen-Tourismus in Thailand 2026 mit belegten Fakten statt Empörung einzuordnen – und ordnen am Ende auch unsere ursprüngliche Meinung dazu ein.

Der Tiger-Tempel: Wendepunkt 2016

Der bekannteste Einschnitt für die Tiger-Tourismus-Branche in Thailand war die Schließung des sogenannten „Tiger-Tempels" (Wat Pha Luang Ta Bua) in der Provinz Kanchanaburi. Am 30. Mai 2016 durchsuchten hunderte thailändische Beamte, darunter Polizei, Militär und Wildtierexperten, das Gelände. Sie zählten rund 137 Tiger vor Ort und beschlagnahmten sie im Zuge der Razzia; im Gefrierschrank des Tempels fanden die Behörden zudem 40 tote Tigerjungen, mehrere Mönche und Mitarbeiter wurden wegen des Verdachts auf illegalen Wildtierhandel angeklagt. Der Tempel ist seit 2016 dauerhaft für Besucher geschlossen. Nach der Beschlagnahmung kam es laut mehreren Medienberichten in den folgenden Jahren in staatlichen Auffanganlagen zu einer hohen Sterblichkeit unter den geretteten Tigern, vor allem durch Krankheiten – ein Hinweis darauf, wie schwierig selbst der an sich gut gemeinte Umgang mit einer so großen Zahl konfiszierter Wildtiere in der Praxis ist.

Wie ist Tiger-Tourismus in Thailand heute geregelt?

Thailand hat seine Wildtiergesetzgebung 2019 mit dem Wild Animal Conservation and Protection Act B.E. 2562 erneuert, der die vorige Fassung von 1992 ablöst. Als CITES-Mitgliedsstaat ist der kommerzielle Handel mit Tigern und ihren Körperteilen völkerrechtlich verboten, ebenso unkontrollierte kommerzielle Zucht. Trotzdem kritisieren Tierschutzorganisationen wie World Animal Protection und For Tigers seit Jahren, dass die Durchsetzung lückenhaft bleibt: Eine vielzitierte Untersuchung von World Animal Protection zählte an 17 großen Tiger-Tourismus-Standorten in Thailand rund 830 Tiger in Gefangenschaft – ein Drittel mehr als noch 2010. Die Organisation bezeichnete das Wachstum der Branche zuletzt weiterhin als besorgniserregend. Eine vollständige, aktuelle Gesamtzählung für 2026 liegt uns nicht vor; die Größenordnung zeigt aber, dass die Gefangenschaftshaltung von Tigern in Thailand trotz Tiger-Tempel-Schließung und schärferer Gesetze keineswegs verschwunden ist.

Gibt es auf Koh Samui noch eine Tiger-Attraktion?

Ja. In Lamai auf Koh Samui besteht seit den späten 1990er-Jahren der Samui Aquarium and Tiger Zoo, der neben einem Aquarium auch Tiger und Leoparden zeigt. Die Tierschutzorganisation For Tigers hat den Standort in einer eigenen, öffentlich einsehbaren Untersuchung bewertet und dabei unter anderem kleine Gehege, fehlende Rückzugsmöglichkeiten und wiederkehrendes Stressverhalten bei den dortigen Tigern dokumentiert. Der Betreiber selbst weist auf seiner Website (Stand 18.09.2026) darauf hin, dass die Tiger-, Vogel- und Seelöwenshows derzeit nicht verfügbar seien. Ob es sich dabei um eine vorübergehende Pause oder einen dauerhaften Rückbau des Show-Betriebs handelt, lässt sich öffentlich nicht zweifelsfrei klären – wer den Standort besuchen möchte, sollte sich vorher direkt beim Betreiber nach dem aktuellen Stand erkundigen. Über kohsamuiausflug.de oder kohsamui.tours wird diese Attraktion nicht vermittelt.

Kommentar: Wo bleibt die Konsequenz?

Der folgende Abschnitt ist als Meinung zu verstehen, nicht als Tatsachenbehauptung über einzelne Betriebe oder Personen. Unser ursprünglicher Punkt von 2019 bleibt aus unserer Sicht im Kern gültig: Kritik an Thailands Umgang mit Wildtieren in der Tourismusbranche ist berechtigt und wichtig. Gleichzeitig fällt uns eine gewisse Schieflage auf, wenn dieselbe Kritik selten mit demselben Nachdruck auf die eigene Tierhaltung im Westen angewendet wird. Massentierhaltung von Rindern und Schweinen auf engstem Raum, das in vielen Ländern weiterhin legale Töten männlicher Küken in der Legehennen-Zucht, Pferde, die den Großteil des Tages in engen Boxen stehen, oder Ponys, die auf Jahrmärkten im Kreis laufen, sind Praktiken, die in westlichen Ländern gesetzlich erlaubt sind und in der öffentlichen Debatte spürbar weniger Empörung auslösen als vergleichbare Praktiken anderswo. Das entwertet berechtigte Kritik an konkreten Missständen im thailändischen Tiger-Tourismus nicht – wohl aber die Selbstverständlichkeit, mit der mancher Kommentar im Netz sie äußert, ohne die eigenen Standards mitzudenken. Unser Fazit: Wer Tierhaltung anderswo kritisiert, sollte dieselben Maßstäbe zuerst an die eigene Praxis anlegen.

Zeitleiste: Tiger-Tourismus in Thailand

JahrEreignis
2016Razzia im „Tiger-Tempel" (Kanchanaburi): rund 137 Tiger beschlagnahmt, 40 tote Jungtiere im Gefrierschrank gefunden, Tempel seither für Besucher geschlossen
2019Neues Wildtiergesetz (Wild Animal Conservation and Protection Act B.E. 2562) löst die Fassung von 1992 ab
2023World-Animal-Protection-Zahlen von 2015/16 (17 Standorte, ca. 830 Tiger in Gefangenschaft) erneut veröffentlicht, Kritik an weiterhin wachsender Branche
2023Huai-Kha-Khaeng-Zählung: 94 wilde Tiger fotografisch erfasst, gegenüber unter 40 im Jahr 2007
2026Samui Aquarium and Tiger Zoo (Lamai) meldet Tiger-, Vogel- und Seelöwenshows laut eigener Website als „derzeit nicht verfügbar"

Wie du als Besucher eine bessere Wahl triffst

Wenn du Tiere in Thailand aus der Nähe erleben möchtest, ohne zu ihrer Belastung beizutragen, hilft eine einfache Faustregel von World Animal Protection: Meide Angebote mit Reiten, Shows oder direktem Fotokontakt mit Raubkatzen, und bevorzuge Einrichtungen, die auf reine Beobachtung aus Distanz setzen. Konkrete Anhaltspunkte:

  • Warnzeichen: Fotos mit Jungtieren im Arm, Reiten oder Streicheln wird aktiv beworben, Tiere wirken teilnahmslos oder sind sichtbar angekettet, es gibt keinerlei Rückzugsmöglichkeit ohne Publikum.
  • Positive Zeichen: Besuch nur aus Distanz oder hinter Glas/Gitter mit ausreichend Fläche, Personal erklärt Herkunft und Auffangstations-Konzept der Tiere, keine Shows mit erzwungenen Kunststücken.

Bei Elefanten gibt es ein Angebot nach diesem Prinzip inzwischen auch auf Koh Samui selbst, als reine Fütterungsaktivität ohne Reiten:

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Häufige Fragen

Gibt es auf Koh Samui noch eine Tiger-Attraktion?

Ja, der Samui Aquarium and Tiger Zoo in Lamai zeigt weiterhin Tiger und Leoparden. Die zugehörigen Tiershows waren laut Betreiberangabe im September 2026 vorübergehend nicht verfügbar; frag vor einem Besuch direkt nach dem aktuellen Stand.

Wo in Thailand gibt es noch wilde Tiger?

Die wichtigste Population lebt im Western Forest Complex im Grenzgebiet zu Myanmar, vor allem im Huai-Kha-Khaeng-Thung-Yai-Schutzgebiet. Dort ist die Zahl fotografisch nachgewiesener Tiger von unter 40 im Jahr 2007 auf 94 bei der bis November 2023 laufenden Zählung gestiegen – einer der wenigen dokumentierten Erholungserfolge für Wildtiger in Südostasien.

Welche Tiere gibt es auf Koh Samui?

Wild leben auf der Insel unter anderem Makaken, verschiedene Echsen wie Waldwarane, zahlreiche Vogelarten sowie Schlangen; die meisten Arten halten sich im dichteren Bewuchs abseits der Touristenorte auf und meiden Menschen. Tiger oder Leoparden kommen auf Koh Samui in freier Wildbahn nicht vor.

Sind auf Koh Samui Haie oder Schlangen gefährlich?

Kaum. Rund um Koh Samui sind gelegentlich harmlose Riffhaie wie der Schwarzspitzen-Riffhai unterwegs, die keine Bedrohung für Schwimmer darstellen; Hai-Zwischenfälle sind in Thailand insgesamt extrem selten. Auch Schlangen bekommt man als Tourist kaum zu Gesicht, da die meisten Arten den Kontakt mit Menschen meiden. Solltest du dennoch gebissen werden, gilt: Ruhe bewahren und umgehend die nächste Klinik aufsuchen.

Mehr zum Umgang mit Tieren auf Koh Samui liest du im Beitrag Elefanten-Auffangstationen auf Koh Samui im Check, allgemeine Klischees ordnen wir in den Top 10 Vorurteilen über Thailand ein, und einen tierfreundlichen Tagesausflug findest du im Beitrag Pig Island: Die Schweineinsel Koh Madsum.

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